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Walter Buchegger 1968 - 2018

Walter, he, so geht des ned.

Viel zu oft musste ich schon Nachrufe verfassen. Irgendwie ging das mit ein bissl zusammenreissen auch immer. Diesmal nicht. Zu nah war er mir. Nach zwei Tagen schrieb ich ihm quasi einen Brief.

Walter Buchegger 1968 - 2018
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Immer wenn ich heim geh' und der Grünauer noch offen hat, geh ich rein und verplaudere ein paar Achterln an der Schank. "Grünauer Veltliner" meistens. Du hast den gemacht. Das perfekte Schank-Achterl. Es muss ja nicht immer Leopold sein. Ein Achterl vom Walter. Welches, war mir eigentlich immer egal. Weil's eh immer alle gut waren.

Einmal hast du einen Gebling dort gelassen. Und beim plaudern hat der Christian Grünauer das dauernd leere Glas immer wieder nachgeschenkt. In nullkommanix war die Flasche leer. Offensichtlich hab ich das auf Instagram oder Facebook gepostet. Ich gebe zu, ich wusste es nicht mehr, denn sowas macht man ja heute so nebenbei.

Ein, zwei Tage später hast du mich angerufen und gefragt, wie du dich revanchieren sollst, denn es riefen dauernd Leute an, die diesen Wein bestellen wollten. Ich grummelte irgendwas wie "freu dich einfach, ich freu mich auch, das nächste mal zahlst ein Achterl oder zwei".

Völlig selbstverständlich hast du mir deinen VW-Bus zum übersiedeln geborgt, und geschimpft, weil ich ihn vollgetankt zurückbrachte. Und wie ich dann grantig war, weil diese Übersiedlungskartons eigentlich ein Schmarrn sind, hast du eine Falltür geöffnet, hinter der weisse Plastikkisten lagerten. "Brauch ma eh erst wieder, wenn es einmal eine TBA oder einen Eiswein geben sollte". Bücher und Schallplatten statt Eiswein-Trauben.

Es ging dir oft nicht gut. Vielleicht hättest weniger denken sollen. Depressionen sind oasch. Noch dazu, wenn einer der besten Freunde plötzlich selbst abtritt. Das traf dich damals sehr. Und - Was soll ich jetzt sagen. Ned leiwaund Oida.

Du hast eine tolle neue Kellerei gebaut. Hast grenzgeniale Weine produziert, mit die besten im Kremstal, manche sogar österreichweit top. Ich habe dich in den Salon nominiert. Nicht, weil du zum Freund geworden warst, sondern weil dein Wein es wert war. Ausserdem hast du doch selbst immer gesagt, man sollte nicht mein Freund sein, wenn man Wein produziert. Denn niemanden bewerte ich strenger. Ich weiss bis heute nicht ob das stimmt. Vermutlich unterbewusst. Kann schon sein. Aber neuerdings sind ja sogar die Herren vom Falstaff draufgekommen, wie gut deine Weine sind. Bei manchen dauerts halt ein bisserl länger.

Wir hatten eine Wohnung im Kremstal. Ganz hinten.

Wir hatten eine Wohnung im Kremstal. Ganz hinten.
Oft bin ich von Langenlois am Weg nach Hohenstein beim Kurtl Angerer vorbeigefahren, deinem Weingarten-Nachbarn, und dann unter dieser hässlichen Monsterbrücke die das Kamptal vom Kremstal trennt, durch die Kurven rauf nach Dross. Und immer ist das Auto plötzlich links abgebogen. Und immer hattest du grad irgendwelche "Experimente", die ich kosten musste. Nein, durfte.

Einen dieser Weine werde ich nie vergessen. Ein Pinot noir, den ich sofort aus der Burgund vermutete. Aber es war dein Kremstaler Blauburgunder. Buchegger, wer soll sowas jetzt machen?

Ich bin nicht nur unendlich traurig. Nein, ich bin auch stinksauer auf dich. So tritt man nicht ab. Nicht mit zwei so leiwaunden Kindern. Nicht mit so einer tollen Frau. Wie soll die denn jetzt zwei Weingüter und die Familie schupfen? Was sollen denn wir Freunde, deine Fans und die Gastronomen machen, wenn die deinen Wein nicht mehr bekommen?

Das ist bei allem Verständnis für deine Krankheit, einfach nicht zu entschuldigen, sorry. Das tut weh. Denk dir was Gutes aus, denn all zu lang wird es nicht dauern, bis einer von uns alten Haberern nachkommt. Bis dahin schau, dass es da drüben einen vernünftigen Wein gibt. Pfiat di alter Freund.
© by Helmut Knall
last modified: 2018-06-05 14:16:44

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